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Biographical history
Robert Reiter wurde am 6. Juni 1899 in Temeswar/Temesvár/Timișoara als Sohn von Lorenz Reiter und dessen Frau Maria, geb. Pavlik, geboren. Er besuchte die
Staatliche Oberrealschule und verfasste bereits als 17-jähriger erste Gedichte in ungarischer Sprache. Das Studium der Germanistik begann er in Budapest und setzte es nach dem Ersten Weltkrieg und den Revolutions- und Nachkriegsereignissen in Wien fort. Während der Studienzeit veröffentlichte Reiter in den Zeitschriften "Pester Lloyd" und "Volkswille" und war seit 1917 Mitarbeiter der renommierten avantgardistischen Zeitschrift von Lajos Kassák "Ma" ["Heute"]. Diese diente ihm auch als Inspirationsquelle für seine eigene Literaturzeitung "Holnap" ["Morgen"], die sich dem progressiven (Kultur-)Kampf und der Erneuerung der Literatur widmete. In dieser ersten Schaffensphase korrespondierte Reiter mit dem in der ungarischen Literatur tonangebenden literarischen Kreis um Lajos Kassák. Literaturgeschichtlich besonders wertvolle Briefe aus dieser Zeit befinden sich im Nachlass und wurden nach der Übernahme des Bestandes in Kooperation mit Dr. Imre József Balázs (Babeș-Bolyai-Universität) in der ungarischen Kultur- und Literaturzeitschrift "Korunk" ["Unsere Zeit"] veröffentlicht.
In den 1920er-Jahren ist Robert Reiter aus familiären Gründe nach Temeswar zurückgekehrt, das seit dem Ersten Weltkrieg zu Rumänien gehört, und passte sich
den neuen politischen Verhältnissen an. Er wurde Mitte der 1920er-Jahre Redakteur der "Banater Deutschen Zeitung" und begann ausschließlich in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Diese Schaffensphase, in der er zu den maßgebenden Gestaltern des Banater literarischen und kulturellen Lebens der kommenden Jahrzehnte avancierte, bedarf einer umfassenden literaturhistorischen Untersuchung, die aufgrund der im Nachlass vorliegenden Materialien erfolgen kann. Ein neuer biografischer Bruch erfolgte 1945, als Reiter als Angehöriger der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt wurde und erst 1949 nach Temeswar zurückkehrte. Dort übernahm er erneut seine führende Rolle im deutschsprachigen literarischen und kulturellen Feld
und publizierte nun unter dem Pseudonym Franz Liebhard. Er war Mitarbeiter maßgebender Periodika wie "Temeswarer Zeitung", "Banater Schrifttum", "Neuer Weg", "Volk und Kultur", "Neue Literatur" oder "Neue Banater Zeitung". In den 1950er- und 1960er-Jahren gehörte er zu den Vertretern der sogenannten „sozialistischen Aufbaulyrik“ und verfasste Gedichte über Heimatliebe und das Engagement für das sozialistische Rumänien sowie das kommunistische Regime. Zudem war er auch am Deutschen Staatstheater (1953‒1968 als Dramaturg) und zeitweise in der ungarischen Theaterabteilung in Temeswar tätig. Seine Oden und Huldigungsgedichte an Josef Stalin oder Nicolae Ceaușescu sind literaturgeschichtlich bzw. -politisch relevant und im Kontext seiner Positionierungsstrategie in den sich wandelnden literarischen Feldern des sozialistischen Rumäniens zu betrachten. Gleichzeitig setze sich Reiter für die nachkommende Generation von Literaten ein. Diese Vermittlungsrolle bedarf im Lichte seines Nachlasses einer genauen Untersuchung. Robert Reiter starb am 17. Dezember 1989 in Temeswar, in den ersten Tagen der Revolution.
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